Trainer Georgiev und seine Athleten freuen sich über starken Auftritt
Langen – Laute Jubelschreie, viele Medaillen und ein enormer Kraftaufwand: Am vergangenen Samstag fanden in Langen die südhessischen Meisterschaften im Gewichtheben statt. Besonders ein Mutter-Sohn-Duo sorgte dabei (mal wieder) für Aufsehen.
Neben dem Ausrichtungsverein KSV Langen nahmen die FTG Pfungstadt und der ASC Zeilsheim an den Meisterschaften teil. Die Heberinnen und Heber der drei Vereine waren in drei Altersklassen vertreten, den Junioren, den Aktiven Frauen und den aktiven Männern („Masters“). Zuerst mussten sich die rund 30 Teilnehmer, lautstark angefeuert von ihren Trainern und den zahlreich mitgereisten Angehörigen, im Reißen beweisen, das Gewicht also innerhalb 60 Sekunden in einer fließenden Bewegung nach oben befördern. Anschließend ging es dann an das Stoßen, bei dem das Gewicht erst auf der Brust gehalten und dann noch über den Kopf gestemmt werden muss.
Der vierfache deutsche Meister gibt sich keine Blöße
In der Juniorenkonkurrenz waren die jüngsten Teilnehmer zwar erst neun Jahre jung, stemmten insgesamt trotzdem schon über 30 Kilogramm gen Hallendecke. Insgesamt 12 Heberinnen und Heber traten für den KSV an, unter ihnen auch der vierfache deutsche Meister, Mykyta Suslov. Der 2007 geborene Ukrainer flüchtete zusammen mit seiner Mutter Oleksandra und seinen beiden jüngeren Brüdern nach Deutschland. Zusammen fingen sie in Langen mit dem Gewichtheben an, ermöglicht durch ein Integrationsangebot des KSV, welcher den Bewohnern des ehemals anliegenden Flüchtlingheimes ermöglichte, kostenlos in den Kraftsport einzusteigen.
107 Kilogramm hob Mykyta beim Reißen, beim Stoßen wurden es sogar 127, was ihm insgesamt 189 Relativpunkte und einen verdienten ersten Platz brachte. Trotz seiner bereits erzielten Erfolge hat der 18-Jährige, der bald eine Ausbildung beginnen wird, noch große Ziele: Er möchte an der Europameisterschaft teilnehmen und dann auch an der Weltmeisterschaft. Außerdem will er irgendwann den Weltrekord im Reißen, der bei 230 Kilogramm liegt, brechen. Um diesen Traum irgendwann in Erfüllung gehen zu lassen, will er noch mehr an Muskelmasse zunehmen und trainiert sechs Mal in der Woche, meistens zusammen mit seiner Familie und mit dem Trainer der KSV, Stefan Georgiev. „Ich fühle mich hier sehr wohl, wir sind hier alle wie eine große Familie“, so Mykyta, der entweder mit lauten Anfeuerungsrufen seine Vereinskameraden unterstütze, oder deren Versuche filmte, sodass jeder Versuch anschließend analysiert werden konnte. Mykyta selbst lässt seine Versuche auch immer filmen, „weil man sich bei der Technik immer noch weiterverbessern kann.“
Dotsenko übertrifft sich gleich mehrfach
Bei den Masters nahmen zwei Heber des Kraft-Sport-Vereins teil, für Giacomo Melillo war es sein erster Wettkampf. Die Nervosität ließ er sich jedoch nicht anmerken, er holte sich 8,1 Relativpunkte und belegte damit in seiner Gewichtsklasse (bis zu 90 kg) den zweiten Rang. Den Sieg in dieser Gewichtsklasse sicherte sich sein Mannschaftskamerad, Mykola Dotsenko. Diesem gelang fast alles, in beiden Disziplinen stellte er seinen persönlichen Rekord ein. Zuerst riss er 113kg und brach im Stoßen seinen Rekord bereits bei seinem zweiten Versuch mit 135kg. Im dritten Versuch setzte er dann noch 3kg obendrauf und stemmte 138kg in die Luft. Mit 75,8 Relativpunkten landete er deutlich vor Melillo auf Platz eins.
In der +109kg-Gewichtsklasse siegte Dominik Levin vom ASC Zeilsheim mit 16 Relativpunkten, in der -109kg-Konkurrenz jubelte Felix Krause vom FTG Pfungstadt über seinen ersten Platz. Dennis Grabitsch (ASC Zeilsheim) sicherte sich in der -96kg- Gewichtsklasse den Sieg. Die drei genannten waren zwar jeweils der einzige Starter in ihrer Gewichtsklasse, was die Freude über ihre goldene Medaille aber nicht schmälerte.
Neue persönliche Bestleistung auch bei den KSV-Damen
Auch die Damen waren am Samstag aktiv, in der -71kg-Gewichtsklasse trat eine Heberin vom Kraftsportverein an, Opria Velyzateva belegte mit 31 Relativpunkten einen guten zweiten Platz. Vor ihr landete mit Natali Fernandez (48 Relativpunkte) eine Heberin des ASC Zeilsheim. In der -81kg-Gewichtsklasse gewann die einzige Starterin, Jessica Heinrich, ebenfalls vom Athletik-Sport-Club, mit 33 Relativpunkten. Die -87kg-Gewichtsklasse entschied Lisa Schröder, auch alleinige Heberin in dieser Klasse, vom FTG Pfungstadt für sich.
Von allen Teilnehmerinnen die meisten Relativpunkte (64) fuhr Oleksandra Lubinetska, die Mutter von Mykyta, ein. Sie trat als einzige in der -55kg-Gewichtsklasse an und erzielte im Stoßen mit beeindruckenden 73 Kilogramm ihre neue persönliche Bestleistung. Das 1,5fache ihres eigenen Körpergewichtes hob sie in die Höhe und durfte sich folgerichtig am Ende über den ersten Platz freuen.
„Ich mag es, meine Ängste zu überwinden und mich persönlich immer weiter herauszufordern“ beschreibt sie ihre spät entdeckte Leidenschaft für den Kraftsport. Die amtierende hessische Meisterin ist schon einen Schritt weiter als ihr ältester Sohn Mykyta, sie hat sich bereits für die Europameisterschaft im Juli in Belgien und auch für die Weltmeisterschaft, die im September in Griechenland stattfindet, qualifiziert. „Mit meinen Kindern zu trainieren, motiviert mich sehr“ und diese Motivation ist auch in ihrer Zielsetzung deutlich zu erkennen: Die Goldmedaille soll es bei EM und WM werden.
Trainer Georgiev ist hochzufrieden
KSV-Trainer Stefan Georgiev zeigte sich begeistert über den Auftritt seiner Schützlinge „es war ein wunderschöner Wettkampf und ich habe ein großes Glück mit diesen tollen Leuten arbeiten zu können“ geriet er fast ins Schwärmen. Aufgrund der vielen ersten Plätze belegte der KSV folgerichtig auch in der Mannschaftswertung den ersten Rang. Georgiev, einst vor 15 Jahren als Athlet nach Langen gekommen, freute sich besonders über die Leistung von Mykola Dotsenko, zum ersten Mal habe dieser probiert, so viel Gewicht zu heben, er überbot seine vorherige Bestleistung gleich um 15 Kilogramm. Georgiev will sich aber nicht zu lange auf diesen Erfolgen ausruhen, sondern schaut direkt weiter auf die kommenden Aufgaben: Dotsenko will sich erstmals für die deutschen Meisterschaften qualifizieren, Mykyta Suslov soll bei diesen seinen fünften Titel in seiner Gewichts- und Altersklasse einfahren. Und auch Oleksandras große Titelambitionen teilt Georgiev. Der Verein unterstützt seine Athleten dabei so gut es geht, in der kommenden Woche geht es ins Trainingslager nach Bulgarien, wo die Langener zusammen mit der bulgarischen Nationalmannschaft trainieren.
Dort wollen Mutter Oleksandra, Sohn Mykyta und die anderen Langener Gewichtheber und Gewichtheberinnen wertvolle Erfahrungen sammeln, um auch weiterhin mit Rekorden und Medaillen auf sich aufmerksam zu machen.